Zeitzeugnisse #1: Annemarie Ackermann und das neue Wir

Shownotes

In der ersten Folge der SPIEGELUNGEN-Podcastreihe „Zeitzeugnisse“ geht es um Leben und Erbe von Annemarie Ackermann. 1913 in Parabutsch, heute Ratkovo, in der serbischen Batschka geboren, flüchtete sie 1944 über Österreich nach Deutschland und wurde 1953 die erste Bundestagsabgeordnete mit donauschwäbischen Wurzeln. Florian Kührer-Wielach spricht mit Ria Schneider, der Tochter Annemarie Ackermanns, und mit Dr. Gudrun Hackenberg, der Autorin der 2024 bei danube books erschienenen Biografie „Das Geschenk der leeren Hände. Annemarie Ackermann – eine Biografie“. Im Mittelpunkt stehen Herkunft, Flucht, Neubeginn, politisches Engagement und die Frage, wie persönliche Erinnerung und historische Forschung zusammenwirken.

Gudrun Hackenberg: „Das Geschenk der leeren Hände“ bei danube books: https://www.danube-books.eu/annemarie-ackermann-biografie

HDO-Journal 2024: „Pionierinnen, Visionärinnen, Kämpferinnen – Frauen aus dem östlichen Europa“: https://www.hdo.bayern.de/imperia/md/content/stmas/hdo_2024/25039_hdo_journal_02_250714_ev.pdf

Redaktion: Florian Kührer-Wielach Produktion: Paula Ruppert

Verwendete Musik: Alexander Borodin, Streichquartett No. 2, D-Dur; Interpreten: Musopen String Quartet (Lizenz: PDM 1.0)

Eine Produktion des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, gefördert durch das Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Weitere Beiträge in Text, Bild und Ton finden Sie unter www.spiegelungen.net.

CC-Lizenz: BY-NC-ND | IKGS 2026

Transkript anzeigen

00:00:04: Der Spiegelungen-Podcast.

00:00:18: Sie ist eine Frau, kann man brauchen sie ist ein Flüchtling, können wir brauchen und die ist katholisch, genau braucht.

00:00:26: Es könnte ein Neid gewesen sein aber ich glaube auch es ist natürlich auch eine Sache.

00:00:30: das Rollenbild war natürlich auch ein anderes.

00:00:32: Ich denke auch bei den Unauschwaben war das jetzt sicher so nicht üblich dass ne Frau in die Mitte geht und einfach sagt was sie denkt.

00:00:41: War sie eigentlich Feministin?

00:00:52: Herzlich willkommen zur ersten Folge unserer Spiegelungen-Podcastreihe Zeitzeugnisse.

00:00:58: In dieser Serie werden wir mit unseren Gästen über verschiedene Formen der Zeitzeugenschaft sprechen.

00:01:03: Mein Name ist Florian Kürer Wielach, ich bin Historiker, Herausgeber der Spieglung und einer der Groß dieser neuen Podcastreihe.

00:01:13: Zum Auftakt wollen wir uns dem Leben und den Erbe von Anne Marie Ackermann übnen!

00:01:18: der ersten Bundestagsabgeordneten mit donau-schwebischen Wurzeln.

00:01:22: Sie wurde im Parabutsch heute Ratkovo in der serbischen Batschka geboren, flüchtete in den letzten Jahren über Österreich nach Deutschland, wo sie im Land auch in der Pfalze eine neue Heimat

00:01:37: fand.

00:01:38: Ackermann zog in die Mitte deiner Liste in den Bundestag ein, dem sie bis in den nächsten Jahren und noch einmal nineteenhundertfünfundsechzig angehörte.

00:01:50: Sie starb nineteenhundundvierneunzig in Königswinter.

00:01:55: Um über ihr Leben die Umstände von Flucht und Neubeginn, um ihr Wirken als Politikerin zu sprechen

00:02:02: habe ich

00:02:02: zwei bestens informierte Gäste eingeladen.

00:02:05: Es handelt sich dabei um Ria Schneider

00:02:08: Die Tochter von

00:02:09: Anne-Marie Ackermann Und um Dr.

00:02:11: Gudrun Hackenberg.

00:02:12: Sie ist die Autorin des Buches Das Geschenk der leeren Hände Anne-Marie Ackermann eine Biografie, das im Jahr zwanzig vierundzwanzig bei Daniel Bux in Ulmaschinen

00:02:23: ist.

00:02:31: Ein Name ist Gudrun Hattenberg.

00:02:32: ich habe Philosophie studiert und Erwachsenenbildung und mein Interesse gilt nach insbesondere geflüchteten und entrechteten Menschen.

00:02:44: da ich selbst einen biographischen Hintergrund habe der zum Teil donauschwerbisch ist, zum Teil schlesisch ist, hat mich das besonders motiviert mit der Biografie auseinanderzusetzen.

00:02:58: Die ursprüngliche Situation war auf einer Reise, auf einer Donau-Schwabenreise im Übrigen organisiert von Herrn Dr.

00:03:06: Kürawilach und ich glaube Dreier

00:03:09: Almasan

00:03:11: Und bei dieser Gelegenheit haben wir uns kennengelernt also mehr oder weniger durch Zufall.

00:03:17: Und

00:03:17: da war, gab's eine Situation.

00:03:19: Da hast du dich vorgestellt, Ria und auch deine Mutter erwähnt?

00:03:23: Da hab ich mir schon gedacht, das ist aber ein interessanter Geschichte.

00:03:27: Da fragt ich mal irgendwann

00:03:28: nach

00:03:29: ... Während Corona hab ich dann

00:03:31: mal nachgefragt.

00:03:32: So kam es zu dieser Biografie.

00:03:35: Herzlich willkommen!

00:03:36: Danke schön.

00:03:37: Ria Schneider.

00:03:38: Ja.

00:03:39: Wenn ihr mich kurz vorstellen darf, ich gehöre noch der älteren Generation an... die noch ihre Kindheit in der alten Heimat verbracht hat.

00:03:50: Mit zwölf Jahren sind wir dann geflüchtet, will ich aber jetzt nicht ausführen sondern nur dass von da an sich vieles in meinem Leben auch verändert hat.

00:04:02: Ich habe die ganze Tragik und die ganzen Horrorgeschichten und riskante Abenteuer erlebte, viele andere Flüchtlinge auch erleben mussten.

00:04:13: Und hatte immer das Gefühl meine Mutter schafft es mit uns.

00:04:17: sie war mit drei Kindern und einer Kinderfrau werden Wagen unterwegs.

00:04:22: Sie hat nie gejammert und war verzweifelt.

00:04:25: Sie war immer eine starke Frau und hat uns alle gut über die Runden gebracht Und das war für mich ein Beispiel, wie man das bewältigen kann.

00:04:35: Wie man das durchhalten kann und es durchmachen kann.

00:04:38: Das ist so weitergegangen auch später wo ich dann gemerkt habe sie ist nicht wie andere Mütter einem Heimchen am Herd.

00:04:46: ja Sie betätigt sich in sozialen Einrichtungen und nimmt Anteil an den politischen Geschehen und das ist auf mich so bisschen übergegangen.

00:04:59: also Ich bin Jahrgang, ich arbeite immer noch ehrenamtlich natürlich und ich betäte mich als Mundartforscherin.

00:05:09: Also viel zu tun nach wie vor?

00:05:11: Viel

00:05:11: zu tun!

00:05:11: Es wird nie langweilig?

00:05:12: Nein!

00:05:14: Ja.

00:05:15: und dann gab es eine Reise vor ein paar Jahren.

00:05:17: da war ich tatsächlich Dürfte ich der Reiseleiter sein und da habt ihr euch kennengelernt?

00:05:21: Und da gab es eben dann die Idee zu diesem Buch Gurdrun.

00:05:25: Sag mal, wie bist du denn dazu gekommen wirklich dich hinzusetzen und zu sagen so... Ich schreibe über die Annemarie Ackermann jetzt dein Buch!

00:05:33: Also von der Reihe habe ich erfahren was ihre Mutter geleistet hat und mir war es dann angelegen ein bisschen tiefer einzusteigen und habe so ein paar Dinge wahrgenommen, die ich sehr interessant fand.

00:05:46: Nämlich dass die Frage man selbst entwurzelt war aber es dennoch geschafft hat anderen eine Heimat zu

00:05:54: schaffen

00:05:55: oder zu bieten, zu kreieren.

00:05:57: Und dabei hat sie immer wieder Räume aufgemacht wie man heute so schön sagt damit andere sich begegnen können und das schon damals zu einer Zeit in der das glaube ich noch gar nicht so üblich war.

00:06:08: also Sie hatte jetzt keine Berührungsängste mit dem öffentlichen Raum, sondern hat in eigentlich immer wieder Beanspruch Zeit es jetzt im Bauernverein wo sie dann die Dichte einfach rezitiert hat oder später auch auf der politischen Bühne, wo sie sozusagen so geredet hat wie ihr das schmabel gewachsen ist.

00:06:28: Sie hat was mich auch beeindruckt hat eben einen großen Pragmatismus an den Tat gelädt.

00:06:34: So ist sie mit dem Leid umgegangen eine große Unerschütterlichkeit mit den ganzen Dingen, die eigentlich ungeheuerlich waren.

00:06:43: Wenn man die Biografie liest kann man sehen was diese Leute wirklich alle durchgemacht haben Und dabei hat sie aber auch den Humor nicht verloren.

00:06:51: Also, sie hat dann immer mal wieder einen Witz gemacht und zum Beispiel den österreichischen Grenzer der sie beleidigt hat einfach gekonnt rausgegeben.

00:07:02: ja bei uns zuhause war nicht ein Misthaufen vor der Haustür zb.

00:07:07: also das so hat sich eigentlich geredet und selbst mit Leit habe ich jetzt bei ihr auch nicht festgestellt.

00:07:13: also trotz der würde ich jetzt mal sein Geschichte die durchaus nachvollziehbare Selbstmitleid verdient hätte, ist sie nicht im Selbstmitglied aufgegangen.

00:07:24: Und sehr beeindruckt hat mich natürlich auch dann Ihrem ... Ihre Oma, ihre Großmutterdie Oma Mie.

00:07:31: Ja?

00:07:31: Die Rosina die ihr dann wirklich aber so den Rücken gestärkt hat letztendlich für Sie da war, für Sie alles gemacht hat weil sie selber jaweise wurde sehr früh sodass ich denn Eindruck habe dass sich diese Stärke sicher auch von Ihr mitbekommen hat.

00:07:46: Also das ist so ein pädagogisch psychologisches Moment, das fand ich eben auch sehr interessant.

00:07:51: und dann aber auch die Geschichte mit dem ältesten Sohn der nicht eigentlich ihr Sohn war sondern der Sohn ihrer Schwester und sie hatte ja dann den Mann ihrer Schweste nach dem Tod der Schwester geelicht um den Sohn dann aufzuziehen.

00:08:07: und es sind einfach so ganz ungeheuliche Erlebnisse die mich sehr beeindruckt haben.

00:08:13: dann der Lebensweg von dem Otto, der dann leider nicht ganz so gut ausging.

00:08:19: Also es waren so viele Schlaglichter, dass ich mir gesagt habe, ich bin selbst ein bisschen... Manche gestehen's mir sogar zu, aber manche du noch schwerfischer herkommst und fand ich dann einfach interessant, dass so eine Frau mit einer Fluchtbiografie von sieben Jahren einen Weg hingelegt hat.

00:08:41: also hat mich beeindruckt.

00:08:43: Und noch dazu muss ich sagen, dass mir es einfach Freude macht immer schon auch in anderen Kontexten andere Geschichten mehr anzuhören und die nie dazu schreiben oder zu lesen.

00:08:54: Also das ist sowieso sowas.

00:08:55: Geschichten höre ich einfach gerne.

00:08:58: Gebt sie auch gerne weiter.

00:09:00: Schreibt sie auch gern

00:09:01: auf!

00:09:01: Und diese Geschichte hast du eben jetzt auch aufgeschrieben.

00:09:04: Beginnend wird doch am Anfang.

00:09:06: In Parabutsch, in der Badschka, wird Anne-Marie Ackermann geboren, verliert eben wie du schon gesagt hast sehr früh ihre Eltern den Vater im Ersten Weltkrieg.

00:09:15: Motorstürb dann kurz darauf und sie hat eigentlich die Oma für Sie die erste und wichtigste Bezugsperson ist.

00:09:24: Sie kriegt sozusagen eine Familie geschenkt, wenn man so möchte.

00:09:28: Also das beginnt eigentlich schon sehr pragmatisch.

00:09:30: dann.

00:09:31: Sie heiratet ihren Schwager?

00:09:34: Was ist da passiert?

00:09:37: Ja also er war ein hoffnungsvoller Medizinstudent.

00:09:43: Er war noch nicht approbiert wie ihre Schwester geheiratet hatte aber als sie Kindbett geschlafen ist.

00:09:53: Also an dem Tag, wo er nach Hause kam, da hat er schon ein Eplom mitgebracht aus Graz und es führte kein Weg dran vorbei dass sie nun eingesprungen ist für ihre Schwester und sich eben verpflichtet gefühlt hat das was sie der Schwester am Sterberbett versprochen hat also für das Kind zu sorgen und den Schwager zu heiraten.

00:10:18: Das ist offensichtlich nicht schwergefallen, er war ein hübscher junger Mann und war also von seinem Beruf überzeugt.

00:10:26: Aber sie sind dann aus dem Dorf bald weggezogen weil er sich als Sanarzt noch weitergebildet hat, also noch weiter studiert hat.

00:10:36: Und sehen Sie nach Nobisat?

00:10:38: Da war er weit und breiter einzig in Sanarst ja.

00:10:42: War bald sehr bekannt umliegenden Dörfern, überall sind die Leute alle.

00:10:47: Ja, zum Dr.

00:10:48: Ackermann, da ist mir der Adress, da gehen wir hin und er hat natürlich nicht nur seine Landsleute behandelt, man hatte auch Ungarisch und hat auch Serbisch gesprochen.

00:11:03: Er hat das also auch keinen Unterschied gemacht.

00:11:05: Da hatten wir serbische Kollegen gehabt oder Ungarische Kollegen.

00:11:08: Das war ein inniges Verhältnis sehr bekannt, wohl situiert.

00:11:15: Meine Mutter hat sich leisten können Haus Angestellte zu haben und hat sich eigentlich nicht um die Kindererziehung gekümmert.

00:11:23: Da sind noch zwei kleine Geschwister dann nachgefolgt.

00:11:27: Dann war das Haus schon mit vier Kindern voll.

00:11:31: Und meine Mutter hat ihren Hobbys gelebt.

00:11:34: Sie hat gern musiziert, sie hat gerne gehandarbeitet.

00:11:40: Sie hatte gerne in Gesellschaft Mitgetan

00:11:43: z.B.,

00:11:44: Coa war eine Theatergruppe, sie hat also Pasion gelebt und es hat sich alles erst geändert als dann die Situation ebenso gefährlich war dass wir dann eines Tages die Flucht antreten mussten.

00:12:01: Aber bis dahin?

00:12:02: Also Annemarie Ackermann ist ja noch in der Donnermonarchie geboren Wenn man möchte untertanen der Habsburger, aber eben dann... Die Zeit, die sie dort verbracht hat in der Patschka war vor allem eigentlich die Zeit im Königreich Jugoslawien.

00:12:21: Wo man ja sagt dass es nicht mehr so gut war das Zusammenleben zumindest auf politischer Ebene die Umgang mit Minderheiten nicht mehr Sogut.

00:12:29: aber wenn ich das richtig verstehe auf persönlicher Ebene?

00:12:32: Die Familie Ackermann hatte da keine großen Schwierigkeiten hatte

00:12:36: keine großen Schwierigkeiten.

00:12:38: Sie war sehr gerne auch immer wieder in Österreich hat also auch politisch verfolgt, wie das dann nachher der sogenannte Anschluss kam.

00:12:47: Das war dann noch schöner für sie.

00:12:49: Sie konnte da noch mehr hin und her reisen.

00:12:53: aber es wurde als der Zweite Weltkrieg sich bei uns bemerkbar machte.

00:13:01: Da wurde alles etwas schwieriger.

00:13:04: man sollte sich äußern nicht nur Anteil nehmen, am Schicksal der Reichsdeutschen.

00:13:15: Wir waren die Volksdeutsche.

00:13:17: Man sollte da auch beitragen um die Front zu stärken und das war dann schon etwas schwieriger.

00:13:25: Der Jugislawienfeldzug hat ja vor unserer Haustür stattgefunden, hat angefangen.

00:13:30: Wir haben da einen Krieg zu spüren bekommen.

00:13:32: Da war ich acht Jahre alt Gemeinschaft der Donauschwaben, also Kulturbund, der sein Sitz da hat in Novi Sad.

00:13:43: Da hat sie in dieser Notzeit wo kein Mensch wusste wie es weitergehen soll sogar was ich hinterher erfahren habe übernommen Waffen zu schmugeln und

00:13:57: ja

00:13:57: das ist nachher natürlich auf die Füße gefallen.

00:14:00: mein Vater wurde Zum Beispiel in der Zeit war er in den Karpaten eingesetzt.

00:14:06: Er war eigentlich so als Verserve, offiziere so ein Gesetz als Sanitätoffizier.

00:14:15: Aber er war jedenfalls weg von zu Hause und meine Mutter hat eben schnellstens uns Kinder ins Heimatdorf verfrachtet.

00:14:25: Sie selbst musste noch wie satt bleiben sie war eingesetzt Luftschutzwarten, das war sie verpflichtet dazu in der Stadt.

00:14:33: Da hat sich dann auch gemacht und sie war also nicht bei uns sondern in der Statt engagiert.

00:14:40: Und zur Vater wusste davon nichts.

00:14:42: Bis es eben so weit kam, dass wir flüchten

00:14:45: mussten.

00:14:47: Also ich glaube, das ist auch ganz interessant.

00:14:48: Es ist vielleicht auch nochmal zu sehen dass es jetzt zwei Gruppen gab also die einen, die geflüchtet sind.

00:14:55: Die Flucht war ja ganz konkret am siebten Oktober vierzig da ging's

00:14:59: los.

00:15:00: und dann die anderen, die gesagt haben also irgendwie eine Flucht würde so ein bisschen als Schuldeingeständnisse aussehen wir bleiben Wir haben nichts zu verlieren, wir haben

00:15:11: nix gemacht,

00:15:12: gebleiben.

00:15:14: Und letztendlich war es aber so dass eigentlich alle der Komplizenschaft mit den nationalsozialistischen Besatzern verdächtigt wurden und die die geblieben sind sind ihr dann in den Lagern gelandet.

00:15:27: also das ist jetzt keine Erfahrung die deine Mutter oder deine Familie gemacht hat, aber die eben auch sehr häufig vorkam.

00:15:35: Aber ich glaube sogar eine Tante hat die Erfahrung gemacht und nicht mich richtig erinnert?

00:15:40: Die dann rechtzeitig in

00:15:42: einem Lager gewesen ist...

00:15:45: Gibt es eigentlich über diese Zeit in den Archiven viel zu finden?

00:15:48: über Annemarie Ackermann?

00:15:50: Sie war ja eigentlich noch ein unbeschriebenes Blatt.

00:15:53: Das heißt für diese Zeit worauf stützt du dich denn da für das Buch?

00:15:57: auf die Erzählungen von Ria Schneider

00:16:01: Im Wesentlichen tatsächlich.

00:16:03: Ich habe das aus den Erzählungen von Ria Schneider entnommen, aber dann abgeglichen im Grunde mit Geschichtsbüchern sozusagen.

00:16:13: Also historisch ... Aber tatsächlich über Anne Marie Ackmann gibt es ja eigentlich nichts.

00:16:17: Sie

00:16:18: ist nirgends aufgetreten öffentlich so als Volksredner oder sowas.

00:16:22: Das war nicht ihre Art!

00:16:25: Schwäbisch-Deutschen Kulturbund engagiert offenbar.

00:16:28: Aber unauffällig, zumindest nicht in den

00:16:31: Akten nachvollziehbar.

00:16:32: Man ist da zusammengekommen, man hat also wie gesagt musiziert und der Gruppespiel hat überall mitgewirkt.

00:16:39: Und man hat sich getroffen bei wellen Veranstaltungen, kulturellen Veranstaltung.

00:16:44: Man hatte das ganz anderes Verständnis gehabt so dass man hinterher höre ich das dann oft ja es hat dort Europa im Kleinen schon gegeben.

00:16:55: Es waren natürlich, zuletzt auch immer mehr hat sich das zugeschwitzt.

00:17:00: Das Verhältnis zu dem Staatsvolk, ja?

00:17:02: Da waren Schikanen da waren man hat die Deutschen nicht hochkommen lassen wollen.

00:17:08: Die ein anderes Verständnis haben für naja so wie es hier bei den Schwaben sagt schaffe schaffe Häuslebaum.

00:17:16: Das war dann wichtiger als der großartige Reden zu schwingen.

00:17:21: Man hat also Man war unpolitisch im Grunde her.

00:17:25: Was aber nichts genützt hat, weil am Ende gab es zumindest die kollektive Vereinnamung, die auch wenig Rücksicht genommen hat auf Einzelmeinungen, die wir bei Annemarie Ackermann jetzt gar nicht so nachvollziehen können.

00:17:36: mehr als unpolitischer Mensch kann man vielleicht sogar behaupten sie war nicht wahnsinnig befasst mit der großen ideologischen Veränderung?

00:17:44: Ja, sie hat ganz gerne das deutsche Volkslied gut gepflegt.

00:17:50: Wir haben auch Heimatdichter gehabt und Mundartdichte die sie auch gerne mal vorgetragen oder empfohlen hat.

00:17:57: Man hat früher den Altenbühler Gutenbrunnen gelesen usw.

00:18:01: Das ist über nichts was man nachher vorwelfen kann dass sie zentralistisch eingestellt war.

00:18:08: Ich kann mich erinnern, das habe ich hier irgendwann mal gesagt.

00:18:11: Aber wie es ist, ich hab's in Erinnerung... Wir haben abends vor Lesen bekommen und da war dann Lederstrumpf.

00:18:20: Und ich weiß nicht, was man den Kindern so alles bietet abends vorm Schlafengehen?

00:18:24: Da war auch einmal ein Buch dabei.

00:18:25: Das hieß Mutter erzählt von Adolf Hitler.

00:18:29: Das haben wir auch zum Lesen gekommen.

00:18:32: Aber das hat, das war unter anderem nicht viel anders als wenn ... Lederstrumpf oder was weiß ich, deutsche Helden sagen.

00:18:41: Was Kinder interessiert hat ja... Das haben wir uns vorlesen lassen da.

00:18:46: Da haben wir nichts dabei gefunden und unsere Kindervraue hat das vorgelesen.

00:18:51: Das

00:18:51: große Problem war im Gegensatz zu Leder strumpf war Adolf Hitler leider Realität.

00:18:56: und es gab dann den Moment.

00:18:58: Und da würde ich Sie gerne fragen können sie sich an diesen Moment erinnern?

00:19:03: Als man aufgebrochen ist, ich glaube sie sind ja getrennt geflüchtet.

00:19:07: Die Anne-Marie Ackermann einerseits und Vater Ackerman hat eine andere Fluchtroute eingeschlagen.

00:19:16: Genau zu sagen war so dass meine Mutter festgestellt hat irgendwo hat sie erfahren das Herr Mann also unser Vater nicht an der Front eingesetzt werden durfte wenn fünf Kinder da waren Und sie hat dafür gesorgt, dass sie schwanger wurde.

00:19:37: Sie ist an die Front in die Karpaten gefahren und hat sich sehr gefreut.

00:19:43: Er hat geweint, so Tapfer waren dahin war auch riskant.

00:19:51: Das hat sie im Sommer gemacht.

00:19:53: Als es auf der Flugtreise ging, da war sie schwinger heimkommende Dorf und durfte die Uniform ausziehen.

00:20:07: Und hat nur sich verpflichtet gefühlt, also er hat im Dorf in unserem Haus dort ein Sprechdunde eingerichtet, in einem Zimmer hat ein kleines Behandlungsraum eingerichtet

00:20:19: um

00:20:20: das deutsche Militär dass da so auch vorbeikam oder der Nähe stationiert war, dass er die behandelte Seite kostenlos gemacht Und wie es dann geheißen hat, wir gehen auf die Flucht.

00:20:32: Da hatte er gesagt selbstverständlich mache ich dem mit.

00:20:37: Er hat sein Röntgenapparat, ganz was Wertvolles damals und Medikamente und sowas eingepackt aber... ...er ist nicht mit uns mit Pferdenwagen den wir geschält bekommen haben von der Tafelgemeinschaft.

00:20:50: Hat das geholfen?

00:20:51: Aufladen ja!

00:20:52: Wird gesagt, ich bleibe noch kurz da.

00:20:54: Ich will noch die zwei Schweine schlachten Also die zwei Schweine klachten lassen und hat meinen ältesten Bruder, also seinen Sohn.

00:21:05: Der damals vierzehn war aus Emitanat geholt.

00:21:08: er war dort in Futtok untergebracht.

00:21:10: den hat er geholt Und wir wollten es dann treffen Richtung Donau Richtung Bayer hieß an die Route her und das war danach so.

00:21:21: ein Chaos hat uns nicht mehr erreicht, die Straßen waren alle verstopft.

00:21:26: Wir sind in Bayer auch nicht über den Lohnau gekommen weil das Militär im Rückzug war.

00:21:33: und da sind wir dann auf seltsamen Umwegen so nach Aufwärts ohne ärztliche Versorgung, ohne einen Dreckführer, ohne Plan oder nichts darauf und haben uns total aus dem Augen verloren.

00:21:52: Mutter hat, als sie vorher noch in Ungarn uns versteckt gehalten haben auf einem Bauernhof, wo meine Mutter dann als Stallmarkt gearbeitet hat.

00:22:02: Da wurde sie von irgendeinem Bürgermeister da, weil sie so perfekt ungarisch konnte und sich gesagt hat, ihr könnt sie brauchen!

00:22:09: Wir können sie als Bürohilfe nehmen.

00:22:12: Sie müssen nur ihren Namen erlernen, denn sie müssen nur einen ungarischen Namen annehmen.

00:22:17: jetzt gesagt.

00:22:18: Alles nur das nicht, weil unser Vater, mein Mann würde uns nie mehr finden wenn wir nicht den Namen haben.

00:22:26: Wie soll das rote Kreuz gehen?

00:22:30: Sie hat sich also geweigert und wurde dann eben auch ausgewählt, weil die Kommunisten als sie nach den Wahlen in Ungarn sind.

00:22:41: gesiegt haben, ja.

00:22:43: Kleinen Landwirte-Partei hat verloren.

00:22:45: Dann haben die die Parole ausgegeben alle Flüchtlinge, alle Deutschen in Ungarn sollen auch in Lager gesteckt werden und jetzt gesagt das machen wir nicht mit, dass kommt nicht eine Frage, sondern soweit durchgehalten ist.

00:22:59: Ja dann hat sie eben Schmuck verkauft und Zahngult hat sie auch schon in Wolkleuen gehabt und so dazu Schleuser gefunden und deuer bezahlt, die uns dann über Grüne Grenze nach Österreich gebracht

00:23:13: haben.

00:23:14: Eine wilde Flucht ja, die auch sehr gut nachzulesen ist und gut zu rekonstruieren war offenbar durch Erinnerungen und vielleicht auch schon Aufzeichnungen.

00:23:24: am Ende landen Teile der Familie Ackermann in Österreich.

00:23:28: das heißt die

00:23:29: Ankunft...

00:23:30: Gut und wie geht es dann weiter eigentlich mit Mit der Familie?

00:23:36: sind die werden ja schwere Jahre.

00:23:38: Was hast du da drüber gefunden?

00:23:40: Vielleicht erst nochmal festzustellen, bei ihr auch sehr schön nachzuvollziehen, dass Flucht generell oder häufig eine weibliche Erfahrung ist.

00:23:51: Also in einer Fluchtvertreibern oder Deportationen sind sehr häufig weiblich Erfahrungen und bei ihr kann man das schon nachvollziehen und diese Perspektiven bleiben hier häufig in der Geschichtstreibung komplett außen vor.

00:24:06: Also wir haben jetzt hier im Grunde eine Innenperspektive, die diese weibliche Erfahrung nachvollzieht.

00:24:13: Weiblich

00:24:14: v.a.,

00:24:15: weil die Frauen oft alleine waren mit den Kindern

00:24:17: auf der

00:24:17: Flucht?

00:24:17: Genau!

00:24:18: Das hat mich schon beeindruckt wie sie dann alleine den Wagen gelenkt hat mit dem Kindermädchen zusammen und den Kindern Und die wertvollen Gegenstände eingebacken in Brote.

00:24:28: Also Schmuck eingebacken in Boote und dann jeweils, wenn man was gebraucht hat, hat man das dann wieder rausgenommen...

00:24:36: Aber das Röntgengerät war nicht eingepackt oder so ein großes Brot.

00:24:39: gab's da nichts?

00:24:40: Ich glaube es hatte unterwegs auch, er hat sich dem Militär anschließen wollen weil die schneller durchkamen.

00:24:46: ja aber dort waren sie eingekreist und zwar also sehr sehr und mein Bruder Otto der war dabei.

00:24:55: Der ist mit dem Vater unterwegs und bekommt dann ihr Kind

00:25:07: in

00:25:09: Österreich,

00:25:12: wo wir gelandet sind bei Wien Krankenhaus, wo die Geburtsstation in Lötling im Keller war.

00:25:23: Also während eines Luftalarms hat sie dann ihr Kind bekommen.

00:25:27: Also da geht es im Grunde dann tatsächlich weiter mit dem... weil du gefragt

00:25:30: hast vorhin,

00:25:31: ich ging es in Österreichs weiter.

00:25:33: also vorher waren Sie ja in Ungarn.

00:25:35: War eigentlich Österreich schon das Ziel oder war Deutschland das Ziel?

00:25:39: Es war eigentlich Österreich das erste Ziel.

00:25:43: Wir dort Verwandte hatten in Wien hier, aber die waren auch aufs Land geflüchtet.

00:25:48: Die haben uns zwar dort eine Wohnung angeboten in einer Mietzhaus, da war schon eine andere Familie auch schon der Flüsslinge drinnen.

00:25:58: Wir sind dort ausgebompt worden und dann kamen wir in einen Außenbezirk von Wien.

00:26:02: Da wurden wir auch ausgebombt und sind schließlich als das gehört an mir schon die Wien erreicht hatte und die Weiße Fahne aus dem Fenster flattern lassen, nur um möglichst verschont zu werden.

00:26:16: Da waren wir unterwegs auf dem Fluchtweg nochmal nach Salzburg aber wir haben das nicht erreicht, also wie gesagt im Müllviertel dann gelandet und wussten da auch nichts von unserem Vater.

00:26:28: Nein, nein!

00:26:29: Wir sind im russischen Sektor von Wien gelandete.

00:26:33: Also Bekannte, die uns aufgenommen haben, aber wir wollten ja Wir haben inzwischen erfahren, dass unser Vater sich in Österreich und Oberösterreich gemeldet hat bei Neusatzen.

00:26:46: Das hat sich dann irgendwie herumgesprochen, das er dort auch bei denen gelandet ist.

00:26:52: Und meine Mutter wollte halt aus diesem Sektor – was damals auch sehr schwierig war – aus dem sowjetischen Sektoren in den amerikanischen Spektoren kommen.

00:27:01: Es ist uns dann auch gelungen.

00:27:03: Da haben wir irgendwelche Ausweise gefälscht sich verkleidet und was weiß ich, also ganz ganze Sachen unternommen dass wir dann da rübergefunden

00:27:13: haben

00:27:14: über diese Dimarkationslinie.

00:27:17: Und da hat unser Vater uns erwartet.

00:27:20: Wo ist der Vater wieder zur Familie gestoßt?

00:27:23: Erst in Wimsbach in Oberösterreich.

00:27:25: und dann haben wir festgestellt wenn wir so illegal eingewandert sind ja Wir kriegen keine Ausweise, wir kriegen keine Lebensmittel Wir können gar nichts, wir müssen ins Lager gehen.

00:27:39: Und dann sind wir freiwillig in einer dieser schäbigen Barakennlage in Lenz wo vorher die Zwangsarbeiter dort waren, Festwerke früher Herr Bangöhring-Werker waren Riesenbaracken alle verlaust und verwandst.

00:27:54: Dort sind wir dann hingekommen.

00:27:56: Mein Vater sollte dort in der Sanitätsbaracke Zahnert sein, aber kein Mensch von den Lagen ins Essen hat sich für Zähne oder für Zahnbehandlung interessiert.

00:28:06: Die Cleversen waren Schwarzhändler, die haben versucht zu überleben und nicht zu verhungern.

00:28:13: Es gibt Jahre in Österreich, in Linz und Oberösterreich zwei, drei Orten.

00:28:19: Aber letztlich trifft Annemarie Ackermann die Entscheidung dass man nicht in Österreich bleiben will, sondern... versuchen wird nach Deutschland zu gehen.

00:28:29: Und es ist eigentlich relativ abenteuerlich, wie sie diesen Plan dann vorantreiben.

00:28:34: Das lässt sich auch gut in dem Buch nachlesen.

00:28:36: das verraten wir vielleicht gar nicht.

00:28:38: Aber der

00:28:40: Grund ist vielleicht auch noch interessant weil ich hatte gesagt als Flüchtling konnte man zu dieser Zeit in Österreich keine Arbeit bekommen außer beim Schutz wegräumen oder Steine klopfen.

00:28:50: also es war einfach nicht möglich sich beruflich zu etablieren für die Familie Und deswegen hat sie gesagt, Sie müssen ja eigentlich nach Deutschland.

00:28:57: Also wenn es gegangen wäre sich beruflich was aufzubauen dann wären Sie mit Sicherheit

00:29:02: in Österreich gebühren.

00:29:04: Trotzdem beginnt man noch einmal neu

00:29:06: ein

00:29:08: drittes Leben wenn man so möchte in Landau oder in der Pfalz und dort geht's aber dann Aufwärts, ne?

00:29:16: Dort wird sie dann auch sehr aktiv.

00:29:18: Ja das hat auch

00:29:18: Sie erfochten da.

00:29:20: Sie hat den Weg gefunden dass wir in Landau landen konnten weil das war französische Besatzungszone und die hatten eine Sperre.

00:29:28: Die haben keine Flüchtlinge mehr aufgenommen und da hat sie eben auf Schleichwegen, hat sich das dann doch durchgesetzt und ist dahin gefahren und hat den Landrat angebettelt ja Und er hat gesagt, wir wollen ihn ja nicht zur Last fallen.

00:29:43: Wir sagen für uns selber lassen sie uns doch und so

00:29:46: weiter.".

00:29:46: Dann hat das geklappt!

00:29:49: Ihr war es ja dann auch ein Anliegen sich schon rasch zu integrieren.

00:29:51: also Sie ist ja proaktiv wie man heute formulieren würde wirklich dort reingegangen in die Gesellschaft hat sich einerseits für die Vertriebenen engagiert aber eigentlich auch vor Ort sofort Mit der Überzeugung, dass man sich einbringen muss, engagiert.

00:30:08: Sie war dem Landrat dankbar, dass er die Zutrungsschämung ausnahmesweise ausgestellt hat.

00:30:14: Und sie hat dann dort Dolmetschatien im Landratsamt gemacht, weil sie perfekt serbschen Ungarn schon

00:30:19: konnte?

00:30:19: Ja.

00:30:20: Dort konnten sie gebrauchen und so kamen sie dann irgendwie... So Geltung da diese Frau ... Die können wir brauchen.

00:30:27: Den laden wir ein, wenn wir da nach Mainz fahren, wo gerade die Wahllisten aufgestellt werden für den nächsten Bundestagswahlkampf.

00:30:35: Sie ist eigentlich auch mehr oder weniger zufällig drauf gekommen auf diese Liste?

00:30:39: Man hat sich so ein bisschen als Bodenfahrt draufgesetzt.

00:30:43: kann man das so sagen?

00:30:44: Das glaube ich fast nicht.

00:30:46: Ich glaube, es gab einen Moment, der sie qualifiziert

00:30:50: hat.

00:30:52: Weil es gab mal einen Kritikpunkt an Adenauer und da hat sie den Adenau irgendwie verteidigt quasi

00:31:01: drei

00:31:01: Schnauze... Und das wurde ihr sehr positiv ausgelegt.

00:31:06: Also sie hat sich eigentlich gemischt an die Debatte, ne?

00:31:09: Genau.

00:31:09: und dann kamen Sie auf die Liste und sie wurde noch nicht mal gefragt ob sie überhaupt auf der Liste möchte.

00:31:17: Man

00:31:17: hat sie gar nicht gefragt.

00:31:18: Da gibt es auch Dokumente darüber, dass sie einfach auf der Liste war und jetzt wo ich draufstehe ist mir auch recht.

00:31:26: Also gefragt hat mich keiner.

00:31:28: Ja man hat sie an zehnte Stelle was ziemlich aussichtlos war.

00:31:32: da haben die gesagt eigentlich sie ist eine Frau können wir brauchen, sie sind Flüchtlinge und sind katholisch.

00:31:40: Oder was ich mir auch denken könnte die Sprachkenntnisse waren natürlich auch

00:31:44: von Nutzen?

00:31:46: Ja gut aber das hat man dort nicht wahrgenommen auf dieser Auf der Veranstaltung,

00:31:52: nicht aber später kam

00:31:53: mir das natürlich

00:31:56: auch.

00:31:56: Und da gibt es diesen riesen Wahlerfolg und auf einmal ist Platz zehn auf dieser Liste ein Mandat für den Bundestag.

00:32:03: Dann sitzt Anne-Marie Ackermann Ich will das nicht sagen wie die Jungfrau zum Kind, aber fast so ähnlich.

00:32:11: Rutscht sie in dieser Rolle und ist dann von der Jahre deklar bis in den nächsten Jahren im Deutschen Bundestag aktiv in drei Ausschüssen.

00:32:20: Sie kümmert sich natürlich um Vertriebene Fragen.

00:32:23: Aber sie ist auch im Lastenausgleichs-Ausschuss und interessanterweise auch im Verteidigungsausschuss.

00:32:29: Die anderen Sachen sind ja noch relativ logisch, aber interessant dass sie auch im Verteidigungsausschuss saß.

00:32:34: gibt es da Grund?

00:32:35: dafür, dass man sich da hineingenommen hat?

00:32:38: Also sie selbst glaube ich hatte es nicht angestrebt aber es waren die Frauen ihres Wahlkreises.

00:32:44: Die wissen wollten wie's ihren Söhnen als Soldaten

00:32:47: geht und wie untergebracht

00:32:48: sind was mit ihnen passiert.

00:32:52: Frau Ackermann hat sich auch ein bisschen um die Bedingungen gekümmert,

00:32:58: wie

00:32:58: die Kasernen ausgestattet sind und wie die Soldaten versorgt

00:33:03: werden.

00:33:05: Da gibt es eben auch diese eine Geschichte, dass die Soldatinnen gesagt haben, dass sie zu wenig zu essen haben, also ihnen das nicht reicht,

00:33:12: dass ihr

00:33:13: zusätzliches Geld sozusagen für ein zusätzlicher Essen ausgeben müssen.

00:33:18: Und dann hat sie einen Flug unternommen und festgestellt, dass Fliegen tatsächlich sehr hungrig macht.

00:33:27: Da hat sie einen Flug mit dem Düsen-Chat unternommen der ihr dann angeboten wurde in Fürstenfeld-Pruckling um einfach mal kennenzulernen wie so was aussieht.

00:33:37: Und Sie und eine weitere Abgeordnete waren die Einzelnen, die dieses Angebot tatsächlich dann angenommen

00:33:43: haben.

00:33:43: Werden die Männer am Boden geblieben sind?

00:33:46: Genau!

00:33:47: Das war ganz interessant.

00:33:50: Ich

00:33:55: finde es auch sehr interessant, dass sie in dem Moment eigentlich wirklich das man sieht wieder in welchem Spektrum sie gearbeitet hat.

00:34:00: Sie hat offenbar selbst als Mitglied des Verteidigungsausschusses wieder eine Art Mutterrolle bekommen weil man sie da hingeschickt hat und sagt Schau mal wie so unseren Söhne geht in dieser neu gegründeten Armee.

00:34:11: Andererseits ist sie dann aber wieder die sowie damals als sie als erste in der ganzen Region im Führerschein gemacht hat und mit dem Auto herumgefahren ist als Frau Als Einzige, gemeinsam mit ihrer Kollegin in diesen Düsen-Chat gestiegen und gesagt fliegt mal eine Runde mit uns während die Herrschaften offenbar verzichtet haben auf dieses Erlebnis.

00:34:29: Also der Mut und auch völliges Abweichen vom Klischee was man von ihr erwartet weil man würde als erstes erwarten dass sie am Boden bleibt ist nichts für mich.

00:34:38: die meisten angenommen, dass ihnen schlecht sein würde natürlich hinterher.

00:34:42: Dass sie total gleich sein würden aber dem war ich so.

00:34:45: also sie waren ganz rosig und frisch und haben also wieder eigentlich geschwärmt.

00:34:51: Schönen Flug.

00:34:53: Interessant!

00:34:54: Und so ähnlich hat sich ja dann ihre Mandate immer angelegt.

00:34:57: Also sehr pragmatisch wie ihr Leben immer war Irgendwie dann doch, wenn man ihr das so andichten darf.

00:35:04: Mütterlich auf eine gewisse Art aber ständig auch durchbrechen von klassischen Rollenbildern.

00:35:10: Genau,

00:35:12: genau in dieser Ambivalenz-Farskanzel und es sind sogar mehr als drei Ausschüsse.

00:35:16: Das wollte ich nur sagen, da stehen in dem Buch drin also drei werden meistens genannt, aber sie sind mehrere.

00:35:22: allerdings nicht immer regelmäßig gewesen, aber wie es im Lastenausgleichs-Ausschuss und dem vertriebenen Ausschuss da war sie schon wirklich immer.

00:35:30: Aber dann gab's auch noch andere Ausschüsse in denen Sie nicht regelmäßig

00:35:34: waren.

00:35:35: Das hast du recherchiert.

00:35:37: Und das ist ja auch die Zeit wo Du dann wirklich auf Deine Quellen zurückgreifen konntest?

00:35:40: Was hast Du denn gemacht um die politische Biografie zu rekonstruieren?

00:35:46: Genau!

00:35:46: Da war ich im Pressearchiv des Bundestags und habe die Ausschussprotokolle durchgelesen, eigentlich von den Ausschüssen in denen Anne-Marie Ackermann war.

00:35:56: Und das war natürlich gut weil sie ja in einigen Ausschüssen war und dadurch haben wir schon ein paar verschriftlichte Dokumente dann auch wobei sie nicht sich sehr, muss ich sagen, sehr häufig geäußert hat.

00:36:10: also es gibt Ausschussmitglieder wie zum Beispiel Lisa Petlüder Maria Probst oder auch die Kallinke, weiß ich jetzt gerade nicht mehr Werbal auch, sich sehr stark eingebracht haben in den Ausschüssen.

00:36:23: Und bei ihr ist sie schon sehr

00:36:25: ruhig

00:36:26: heißen gewesen.

00:36:27: also sie hat selten was gehabt habe ich schon manchmal wirklich oft blättern müssen bis ich dann mal etwas gefunden hab was sie gesagt hat.

00:36:33: Also das fand ich ganz interessant.

00:36:35: da war sie eher glaube ich bisschen süchter aber sie hat dann durchaus immer mal was gesagt aber irgendwie nicht so

00:36:41: häufig.

00:36:42: Sie war sehr geschätzt von ihren Kolleginnen.

00:36:46: Ich habe später noch mal mit einer ihrer Kolleginnen, die später Ministerin Giovanni Baden-Württemberg und hat geschwärmt von ihr, dass sie so zuverlässig war, dass er so mitgearbeitet hatte, dass immer korrekt und pünktlich war.

00:37:00: Es gab ja auch diesen Verein der ehemaligen Bundestagsabgeordneten.

00:37:04: Das hast du darüber auch geschrieben.

00:37:06: Sie hatten sich auch später noch in Guresberg oder wo regelmäßig getroffen.

00:37:10: Und da war es ein gern gesehener Gast, also auch als ich schon mit Krücken ging.

00:37:15: Also einmal habe ich sie sogar mit dem Rollator dahin gefahren.

00:37:20: Zwischen den früheren Kollegen hat er sich gerne mal sehen lassen und hat mit denen geratscht oder getratscht oder was weiß ich...

00:37:28: Aber sie war sicher eher eine, die an der Schnittstelle zu den Wählerinnen und Wählern war.

00:37:32: Und weniger, die sich jetzt exponiert hat sozusagen am Redepult.

00:37:36: Obwohl sie es gut konnte.

00:37:37: Man liest und hört ja immer wieder dass ihr durchaus reden konnte vor allem spontan aber offensichtlich waren das andere Bühnen als der Bundestag selbst.

00:37:46: Die Heimatvertreter haben dann später große Heimabtreffen gehabt und da war sie als Rednerin.

00:37:52: in großen Hallen habe ich sie vor einem Riesen Publikum in Erinnerung gesehen, wie sie wirklich die Leute gefesselt hat.

00:38:01: Sie konnte also auch immer wieder was Humoristisches einwerfen oder in der Mundart ausweichen und so.

00:38:08: Sie hat also die Publikums gefesseln.

00:38:11: Das ist eine Gabe, die nicht viele von den Herren ...

00:38:16: Also auch bei der Wahlveranstaltung, da war sich natürlich das

00:38:20: Rednerin sehr gut

00:38:23: hat sie es ja freigesprochen und kam gut an,

00:38:25: so habe ich das auch.

00:38:26: Umso interessanter dass sie eigentlich dann fast vergessen wurde.

00:38:30: später also wenn man jetzt dein Buch liest wird er eigentlich relativ klar dass sie im Vergleich zu anderen Exponenten in der Landsmannschaft in ihrer Gruppe in den Hintergrund rückt.

00:38:44: noch zur Lebzeiten

00:38:45: eigentlich Ja

00:38:47: aber auch dann später in die Erinnerung an Sie.

00:38:49: Woran kann das liegen?

00:38:51: Weil sie ist ja doch Eine gute Rednerin gewesen ist wohl den Menschen im Gedächtnis geblieben, wenn man sie mal gesehen und gehört hat.

00:38:59: Aber woran kann das liegen?

00:39:01: Dass man jetzt erst so viel später erstmal über sie etwas intensiver redet.

00:39:07: Es war der Neid von den Politikern also von den trebenen Vorsitzenden Landsleuten weil sie eben ganz anders aufgetreten ist.

00:39:19: Der Publikum ist gut angekommen.

00:39:21: Es war irgendwie der Neid, man wollte sie einfach... Ja

00:39:24: es könnte ein Neid gewesen sein aber ich glaube auch das Rollenbild war natürlich

00:39:31: eine andere Sache.

00:39:31: Ich

00:39:32: denke bei den Unauschwaben war das jetzt sicher so nicht üblich dass ne Frau in die Mitte geht und sagt was sie denkt.

00:39:40: Und ich glaube, dass es sicherlich auch bei einzelnen Landsleuten sozusagen für die irritierend war.

00:39:46: Das zum einen also das Rollenbild... Sie hat das klassische Rollen-Bild in dem Sinne nicht vertreten und zum anderen hat sie auch Ansichten vertrete, die glaube ich auch nicht so awog waren.

00:39:57: Und zwar

00:39:57: hat sie eher auf Einheit gesetzt.

00:40:00: Also dass man z. B. mit einer Stimme reden soll.

00:40:04: Also jetzt halt Ungarn Rumänien Serbien usw.. Und sie hat halt auch festgestellt, dass in Deutschland die Leute überhaupt nicht wissen.

00:40:12: Was ist jetzt da?

00:40:13: mit den Donau-Schwagen, wer ist jetzt wo.

00:40:16: Und innerhalb der donau-schwerbischen Gesellschaft legte man aber dann schon großen Wert darauf dass das ganz ordentlich getrennt wurde weil es ja komplett unterschiedliche Historien und jeder hat sich mit seinem Schicksal so extrem identifiziert dass man das unmöglich in einen Topf werfen kann.

00:40:31: und sie hat halt eher immer versucht das verbindende Moment raus zu kristallisieren um verständlich zu werden um die Brücken zu bauen in zu der deutschen Bevölkerung um die Sympathien da zu bekommen.

00:40:46: Und was mir aber auch aufgefallen ist, dass sie sich auch sehr häufig mit den Deutschen durchaus solidarisiert hat.

00:40:53: also sie hat durchaus auch gesehen wie schwer das für die ist jetzt Leute aus Osterupper die man noch nie vorher zu Gesicht gekommen hat, aufzunehmen und jetzt vielleicht auch noch einen Lastenaustgleich

00:41:07: hier

00:41:08: für die zu organisieren.

00:41:09: Also sie hat dann durchaus eine Empathie dann auch immer gezeigt ja das ist für die auch nicht einfach.

00:41:14: also sie war dann durchaus so ne Brückenbauerin eigentlich also zwischen den Landsmannschaften fand ich Und das glaube ich haben die Landsleute nicht so gern gesehen, weil sie sehr gerne separiert

00:41:25: haben.

00:41:25: Ich glaube

00:41:26: bis heute ist es auch tatsächlich ein Teenor also nicht so sehr die Einheit

00:41:30: sondern

00:41:31: eher die Differenz vor der Grundzustellen und das andere eben dann auch wieder als permanente Brückenbauen zur deutschen Gesellschaft.

00:41:41: Das hat sich denke ich auch sehr stark ausgezeichnet und spricht schon auch sehr stag für Sie und ich könnte mir vorstellen dass auch das vielleicht von manchen dieser Community vielleicht nicht so gerne gesehen hat, weil sie gesagt haben.

00:41:56: Also wir wollen jetzt schon unsere Kultur erhalten und jetzt nicht dauernd Brücken bauen.

00:42:01: Aber ich glaube dass dieses Brückenbauen eben extrem wichtig ist um auch wirklich anzukommen.

00:42:08: Da gibt es ein sehr schöner Statement, wo sie sagt, ja man wird doch unsere Jugend nicht dauernd vor was wir alles mal besessen haben sondern die mir beherzt in dieses neue Land und Gestaltenes gemeinsam mit den Deutschen hier ansässig

00:42:23: sind.".

00:42:24: Das heißt Sie hatte zwar

00:42:26: alle

00:42:27: Fähigkeiten für eine wie es manchmal heißt Vollblutpolitikerin, auch wenn sie nur zufällig geworden ist.

00:42:33: Aber wir haben vielleicht auch die Netzwerke gefehlt, die die Männer entwickelt haben.

00:42:39: Vielleicht das was man Haus macht nennt in der Politik hat sie wahrscheinlich wenig herauszulesen aus den Unterlagen.

00:42:47: Ich habe

00:42:48: jetzt

00:42:48: auch im Gespräch mal mit dir aber auch sonstigen Unverlangen rausgefunden dass tatsächlich sie eine gewisse Weise frustriert war, weil sie das Gefühl hatte nicht bewegen zu können innerhalb der Community.

00:43:02: Also die Männer untereinander, die ja da das sagen hatten in den Landsmannschaften und teilweise ist glaube ich immer noch so sehr stark konkurriert haben einerseits, andererseits aber dann... letztendlich total zusammengehalten, also so ein bisschen auch einen Widerspruch.

00:43:21: Und wenn sie irgendwas eingebracht hat war das halt sehr schwierig für Sie als Frau da anzuklangen zu finden weil sie natürlich diesen Zusammenhalt und dieses

00:43:30: Netzwerk

00:43:30: nicht hatte, weiß ich gar nicht gab.

00:43:35: Eine Zeit lang wurde es ja... Bundesvorsitzende der Landsmannschaften.

00:43:40: Bundesvorschutzende

00:43:42: der EU-Slavien-Deutsch?

00:43:44: Ja, aber das hat sie freiwillig dann wieder abgegeben weil sie gesagt hat, dass sind solche Betonköpfe.

00:43:51: mit denen kann ich nicht diese Ziele verfolgen die notwendig werden um uns ein bisschen... mehr zu integrieren und in die Zukunft zu führen.

00:44:00: Also das fand ich auch so interessant, weil sie ja wirklich an der Schnittstelle war.

00:44:03: Sie hat ja mitbekommen was die deutsche Bevölkerung braucht oder welche Informationen sie vielleicht auch braucht über diese Bevölkerung.

00:44:10: Aber sie kannte es auch, weil er tatsächlich selber eine von wie sie sagt diesen

00:44:14: Typen war,

00:44:15: die dann eingebürgert wurden.

00:44:18: Und diese Schnittstellenfunktionen Hatte sie, aber da glaube ich hat man sie nicht so anerkannt oder hat ihr

00:44:26: das nicht gerne gesehen?

00:44:28: Wir wollten unter sich bleiben in eigenes Süppchen kochen.

00:44:32: Also schön war für Sie dann die USA-Reise wo sie eingeladen wurde zu den Donauschwaben.

00:44:38: dort wird es in allen Bundesstaaten herumgereicht Und irgendwie war es auch für sie interessant, nach Afrika mitzukommen.

00:44:49: Ganz andere Themen.

00:44:50: Das heißt das ging da eben darum die soziale Stellung der Frauen dort kennenzulernen oder dort mitzuwirken.

00:44:58: dass da das vorangeht

00:45:01: Das war auch so interessant, also das muss man ihr auch lassen.

00:45:04: Also dass sie jetzt nicht als CDU-Politikerin auf CDU Leute spezialisiert war.

00:45:10: Sie war durchaus auch hier sehr offen und sie hat damit der Lucy Bayer die ja doch ein

00:45:16: SPD-Mitglied war.

00:45:18: Sehr gute Freundschaft geschlossen und die beiden haben dann in Afrika doch einiges gemeinsam erlebt und auch eher gemeinsame Erkenntnisse gewonnen Und das fand ich sehr interessant.

00:45:30: Insgesamt finde ich, dass sich einfach nicht sehr verschlossen war, sondern

00:45:33: schon sehr offen.

00:45:35: Das ist vielleicht der Pragmatismus, der hier auch mehr geholfen hat als geschadet zumindest auf der Wirkungsseite während offenbar parteipolitisch hatte es gerade nicht geholfend, wenn man die Brücken schlägt in alle möglichen Richtungen und vielleicht nicht immer ganz auf Linie ist.

00:45:51: Was könnte man eigentlich vorbringen, wenn man nach einer politischen Bilanz verratet?

00:45:56: Was waren Ihre Erfolge und ihre Verdienste?

00:45:59: Sie hat ja dann noch fast ein Jahrzehnt oder über ein Jahrzent im Bundestag gedient.

00:46:04: Wo hat sie – und das war sicher ihr Ziel – etwas vorangebracht?

00:46:09: Also ich habe sehr den Vertriebenen in Österreich geholfen.

00:46:14: Die fühlten sich allein gelassen von ihrer Politik hier.

00:46:17: Sie hatten keinen Zugang damals Obwohl es ein Schwabenverein schon vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat, weil immer auch sehr viele dort Fuß gefasst haben dann vorher schon.

00:46:30: Aber die haben mit Verwunderung und nicht fassen können, haben sie auf die Vertriebenen in Deutschland geguckt.

00:46:37: Das ist die Lastenausgleichung was alle anfinden.

00:46:40: Privilegien mit der Zeit erworben haben und unterstützt worden sind vom Staat.

00:46:45: Und sie gar nicht, und da hat meine Mutter sehr drum gekämpft.

00:46:48: Sie hatte also sehr mächtig ins Zeug gelegt und hat mit österreichischen Stellen Landeshauptmann hier und an Landesabwand dort.

00:46:57: Auch in Wien hat sich da viel.

00:47:00: erreicht.

00:47:00: In

00:47:01: dem Zusammenhang hat sie in Deutschland dann wiederum im Lastenausgleichsausschuss an der Bemessungsgrundlage, eine Festsetzung der Bemerkungsgrundlager mitgewirkt und da gab es eben Sitzungen bis in die Nacht Tagewochen, weiß ich, Monate lang.

00:47:17: Also das müssen richtige Marathons gewesen sein.

00:47:21: Und

00:47:22: da hat ihm auch gesagt also die Leute haben ein komplett falsche Vorstellung davon gehabt wie wir gelebt haben.

00:47:29: Wir haben irgendwelche Hütten

00:47:30: gelebt und hatten

00:47:32: schlechte Gründe Boden.

00:47:35: Da war sie auf jeden Fall aktiv um die Bemessungsgrundlage, eine ordnungsgemäße Bemessungskundlage festzusetzen.

00:47:43: Und dann natürlich auch überhaupt die Einbürgerung aller Menschen an der Flüchtlinge aus dieser Zeit... nach Deutschland.

00:47:53: Also das war überhaupt keine Selbstverständlichkeit, weil die hatten ja in der Regel eine andere Staatsbürgerschaft, sehr keine Deutschen gewesen.

00:47:59: Und innerhalb des Parlaments gab es schon auch die Äußerungen.

00:48:03: Wieso sollen wir sie hier einbürgern?

00:48:06: Einer hieß Rita Lex, glaube ich.

00:48:09: Sie können doch nicht verlangen.

00:48:10: Es wird diese ganzen Typen hier einbürgern.

00:48:13: Dann

00:48:13: hat sich sehr eschofiert und gesagt Typens.

00:48:16: So eine Type bin ich auch.

00:48:18: Das ist mir nicht gefallen!

00:48:19: Ja ja,

00:48:19: das hat er protestiert.

00:48:20: Und dann hat sie sich sehr stark dafür gemacht dass diese Einbürgerung eben geschieht.

00:48:24: Und das ist ja etwas was man auf jeden Fall sehr hoch anhält.

00:48:29: für die heutige Zeit ist.

00:48:30: Ohne diese, sage ich jetzt mal, Tätigkeit vielleicht auch von der Annemarie Ackermann.

00:48:36: Man hat später jemanden gemacht, aber jedenfalls ist

00:48:39: es

00:48:40: eine sehr wichtige Sache.

00:48:42: War das auch eine Motivation für dich dieses Buch zu schreiben?

00:48:45: Zu zeigen wie man wirkt für Flüchtlinge, für Vertriebene... Für Integration.

00:48:53: Ja, auf jeden Fall!

00:48:54: Also ich glaube das hierzulande vielleicht gar nicht so bekannt ist dass die Vertriebenen oder Flüchtlinge... aus Osteuropa, Süde-Osteuropa.

00:49:02: Dass die gar nicht mit offenen Namen empfangen wurden, sondern dass man sie überhaupt nicht haben wollte.

00:49:07: Obwohl die Deutsch waren, waren sie doch sehr fremd.

00:49:10: Haben die Gebräuche der anderen Länder angenommen und haben andere gerichtet gegessen.

00:49:14: Haben irgendwie anders ausgesehen, andere Trachten hat.

00:49:17: Und man fand nicht das die dazu gehörten.

00:49:20: Auch wenn die jetzt deutsch gesprochen haben war es alles ganz anders.

00:49:23: Und man wollte nicht, dass die hier eingebürgert werden.

00:49:27: Das fand ich schon sehr interessant, weil die meisten denken ja, die haben dann alle zusammen irgendwie ... waren da alle zusammen und haben sich gleich gemocht.

00:49:37: Und das ist halt gar nicht der Fall!

00:49:39: Sie hat auch selbst gesagt leider mochte uns keiner.

00:49:43: Wir kamen nach Landau und uns mochten

00:49:45: einfach niemand.

00:49:47: Dann hätte sie gefragt, wann wird man denn?

00:49:51: gemocht oder akzeptiert.

00:49:54: Dann hat sie die Antwort bekommen, ja wenn du zwanzig Jahre auf den Friedhof fliegst dann könnte es klappen.

00:50:02: Aber

00:50:02: ich meine letztendlich lebt man da nicht mehr.

00:50:04: aber ich mein es gibt ja so ähnlich Settings wo man sagt ja ein paar Generationen sollten schon

00:50:09: auf dem Friedhof liegen

00:50:11: bevor man akzeptieren kann.

00:50:13: Und Sie, ich habe das auf einhundertsechs und siebzig steht.

00:50:16: Das ist eine Buch.

00:50:18: Hat eben an einem neuen Vier gearbeitet.

00:50:20: Ich finde das eine schöne Formulierung.

00:50:23: Dieser Beitrag...und ich denke, ich hab den Verdacht, dass war auch wirklich hier Anliegen in der Integration dieses Vier auszubauen umzubauen zu transformieren in dieser Situation.

00:50:34: Ich meine es waren ja unglaublich viele!

00:50:36: vertriebene Flüchtlinge aussieht.

00:50:39: Es hörte auch nicht auf dieser Zustrom und man tritt ja sozusagen als Flüchtlingen nicht einfach in einer Gesellschaft bei, man verändert sie ja mit und dafür glaube ich steht sie eben auch dass sie sich da hinstellen und sagt so wir sind aber jetzt wir!

00:50:53: Nicht ihr und ich sondern wir gehören zusammen.

00:50:58: also sie hat wenn man so möchte vielleicht auch in diesen manchmal sehr schwierigen Interpretationssetting von Volksdeutsch-Tum eigentlich das Beste für eine Gesellschaft rausgeholt ohne sich ideologisch zu verzetteln.

00:51:12: Kann man so sagen, ja?

00:51:13: Und es ist eigentlich schon unglaublich viel und das hat vielleicht mit dem Pragmatismus zu tun und der vielleicht auch ein Abstand zur Ideologie war ja nicht ein sehr ideologischer Mensch

00:51:23: kann man nicht sagen.

00:51:25: Also ich hatte ja auch festgestellt, dass es ein wechselseitiger Prozess ist also das man nicht nur integriert wird sondern dass man natürlich selber auch was tun muss also dass ein wechselseitig prozess zwischen der aufnehmenden Gesellschaft und der gesellschaft

00:51:38: die dazu kommt.

00:51:39: Aber sie war dann schon auch streng mit ihren Landsleuten.

00:51:44: Ja, ja und tut euch nicht leid oder vor allem eben auch schaut nicht immer nur zurück sondern schaut auch nach vorne.

00:51:51: und das ist glaube ich die größte Besonderheit wie vielleicht Manche heute immer noch nicht machen, wo man einfach sagt wir schauen einfach lieber zurück.

00:52:00: Und was ich ja dann auch in dem Buch ein bisschen beleuchte, wo ich sage es gibt natürlich auch so eine Zeit zuflugt die vielleicht aus einem Trauma heraus passiert weil das in der gewisse Weise auch ne Labsal ist für eine verletzte Seele wenn man einfach schaut.

00:52:17: Damals war es schön und dann habe ich auch einen gewissen Trost in diesen Gedanken.

00:52:22: Und jetzt wären die Anforderungen ja andere, wir müssen ja im Grunde, auch wenn wir als Geflüchtete hier ankommen kämpfen für diese Staatsformen, in der wir jetzt leben.

00:52:35: Für die Demokratie uns hier stark machen und schauen was können wir mit den Werten, die wir mitgebracht haben vielleicht auch einbringen in die jetzige Gesellschaft?

00:52:44: Und damit können wir die jätzigen Gesellschaft befruchten.

00:52:46: Das wären so Dinge, die sie mit Sicherheit

00:52:49: vertreten hätte.

00:52:50: War Sie eigentlich Feministin?

00:52:56: Das ist eine gute Frage!

00:52:57: Also die hat sich natürlich nie als Feministern bezeichnet.

00:53:01: Es kommt auch immer darauf an, wie man Feministin definiert.

00:53:05: Wie definierst

00:53:05: du das?

00:53:06: Ich definiere es jetzt mal gar nicht.

00:53:08: aber ich frage mich halt weil wie sie da wirklich damit umgegangen ist, weil sie hat natürlich Frauenthemen gehabt und hatte ja auch lautstark vertreten.

00:53:16: andererseits hat sie die gläserne Decke immer wieder bemerkt.

00:53:22: Aber war das ein Antrieb für Sie auch die Emanzipation an sich, oder hat sie darüber vielleicht gar nicht so nachgedacht?

00:53:29: Ich denke

00:53:30: schon.

00:53:31: Sie hat sich auch sehr stark für Frauenthemen interessiert und ist ja dann auch einem Verein beigetreten der Frauen dazu ermutigen wollte, vor allem der Wählerinnen glaube ich, sich politisch zu betätigen oder überhaupt einzubringen oder wenigstens zu wählen.

00:53:47: Also sie war schon in dieser Richtung aktiv.

00:53:49: also ich finde schon dass das... ich weiß nicht ob es jetzt speziell feministisch zu bezeichnen ist, aber sehr staddemokratisch und zwar nicht nur für die Männer sondern für alle.

00:54:00: Also

00:54:01: das auf jeden Fall.

00:54:02: Wahrscheinlich hätte sie gesagt, sie ist keine Feministin.

00:54:05: Ich

00:54:05: glaube nicht dass es so gesagt hätte.

00:54:07: damals.

00:54:08: Vielleicht heute würde ich es vielleicht

00:54:09: sagen.

00:54:11: Interessant!

00:54:13: Gibt es noch Aspekte, die wir hier besprechen sollten?

00:54:15: Ich fragte sie eigentlich immer ganz gerne.

00:54:17: In meinem Podcast haben wir was vergessen.

00:54:18: Es gibt noch viel zu sagen natürlich aber das kann man ja nachlesen.

00:54:22: Aber jetzt ist jetzt noch die Gelegenheit etwas hinzuzufügen und vielleicht ein bisschen zum Buch selbst auch darauf hinzuweisen.

00:54:28: Das Buch ist als romanhaftige Biografie geschrieben also ich

00:54:33: habe versucht

00:54:34: eine gewisse Lebendigkeit reinzubringen.

00:54:36: Gleichzeitig sind natürlich die wissenschaftlichen Fakten schon fundiert.

00:54:40: Also ich denke, dass es ganz gut zu lesen ist.

00:54:43: Es ist auch spannend zu les'n und manche sagen, sie lede in einem Tatgleich

00:54:47: durch.

00:54:47: Ja, das hat man so nachgemacht!

00:54:49: Aber dieses Gutsstück hast du vollbracht?

00:54:52: Das ist keine reine Biografie sondern wirklich ein Stück Zeitgeschichte für Leute, die sich für Politik interessieren oder da Nachholbedarf haben...

00:55:05: Und was eben auch so interessant ist, dass es ein großes historisches Panorama eigentlich aufmacht.

00:55:11: Dass man vor dieser Zeitgeschichte diese Biografie erlebt, dadurch lernt man en passant sozusagen die zeithistorischen

00:55:24: Fakten.

00:55:25: Das ist jetzt überhaupt nicht trocken, sondern das bekommt

00:55:28: man dann einfach mit.

00:55:29: Man sieht auch, du ordnest immer einen und ziehst doch Vergleiche... Gehst auch mal kurz raus, Zoomst hinaus von der Biografie auf die allgemeine Ebene erklärste in diesem Kontext.

00:55:39: Das heißt man kriegt viel sozusagen noch mit was gar nicht mit ihr selbst zu tun hat sondern mit den Umständen der Zeit und es bleibt dann ja letztlich auch die Luft weg wenn man sich überlegt.

00:55:56: Und irgendwie, ja, achtzig-einundachtzig Jahre später stirbt sie als bundesdeutsche ehemalige Abgeordnete.

00:56:03: Also ich frage mich da immer was die Leute sagen würden... im Vorhinein sagt, pass auf was du jetzt vor dir hast noch.

00:56:09: Du bist jemanden der in der Zeit geboren ist dann eh schon ein Weltkrieg hat und dann sagst du diese Person vielleicht zur Hochzeit ja die hat er sehr jung geheiratet dann so und ich kann da jetzt deine Zukunft voraussagen.

00:56:23: und also das vielleicht will man es manchmal gar nicht wissen

00:56:25: unglaublich ist einfach unglaublich und du hast eine schöne Mischung gefunden dass auch für einen Grunde nicht damit beschäftigten Leser spannend wird.

00:56:36: Ja, ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

00:56:37: Dass man es eben einordnen kann aber... Ich denke schon!

00:56:41: Also die Donau-Schwaben sind ja verschrien dafür, dass sie keine Bücher lesen.

00:56:47: Er hat doch diese Apathennin so schön mal in einem Gedicht gesagt, wenn das Buch schinken wäre dann könnten wir es schätzen und verstehen.

00:56:57: Es ist auch nicht so nützlich wie Fenster putzen oder sonst was.

00:57:02: Die Zeit, kein Mach.

00:57:04: mit was anderen verbringen, nicht dazu lesen.

00:57:08: Da darf jeder selber entscheiden wie er da zu stehen.

00:57:11: in diesem Fall würde ich aber empfehlen dann doch das Buch zu lesen.

00:57:15: es ist auch kein Schinken.

00:57:16: jetzt ist relativ dünn im Sinn von lesbar gut lesbar kurzweilig und aber auch gleichzeitig ein wenn man so möchte erreichbares Ziel.

00:57:25: Also man kann hier in relativ kompakter Form unglaublich viel auch lernen, auch wenn man kein Donauschwabe ist und keine Donauschwebe.

00:57:33: Auch wenn man keine vertriebenen Großeltern oder Eltern hat.

00:57:36: Es ist wirklich ein Buch für jeden der ein bisschen davon verstehen will was Europa wahr ist

00:57:43: und vielleicht

00:57:45: in einer ganz veränderten Form wieder einmal sein

00:57:47: kann.

00:57:49: Danke

00:57:50: Florian!

00:57:51: Danke euch auch.

00:57:59: Das war unsere erste Folge der Spiegelungen-Podcastreihe, Zeitzeugmisse über das Leben der donauschwebischen Politikerin Annemarie Ackermann.

00:58:09: Zu Gast bei mir waren ihre Tochter Ria Schneider und ihre Biografin Dr.

00:58:13: Gudrun Hakenberg.

00:58:15: Ihr bucht als Geschenk der leeren Hände, Anna Marie Ackerman.

00:58:18: eine Biographie erhalten sie im gut sortierten Fachhandel

00:58:22: sowie direkt beim

00:58:23: Dellup-Buchserlag.

00:58:25: Ausführlich mit Ria Schneider hat sich auch Linia Antipov für das HDO-Magazin «Zwanzig, vierundzwanzig» unterhalten.

00:58:32: Das können Sie ja auch online

00:58:34: abrufen!

00:58:35: Wir verlinken Buch

00:58:36: und Journal

00:58:37: in den Shownoten.

00:58:50: Weitere Beiträge in Text, Bild und Ton finden Sie unter www.spiegelungen.net.

00:58:56: Wir freuen uns über eine Bewertung oder ein Like und über Feedback an spiegelungenatikgs.de.

00:59:04: Auf Wiederhören sagt Florian Köhrer-Wihlach.

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